4/10/2009

In eigener Sache: "Revolutionen aus dem Off"



Im Verlauf des letzten Jahres habe ich gemeinsam mit Stefan Eichinger, Lukas Förster, Sarah Klaue, Melanie Marx und Cecilia Valenti eine Filmreihe kuratiert. Das Ergebnis trägt den Namen Revolutionen aus dem Off: Eine Retrospektive des Dritten Kinos im Aufbruch und ist nun, von 18. April bis 27. Mai 2009 im Berliner Zeughauskino zu sehen.

Vor dem Eröffnungsfilm Mababangong bangungot/Perfumed Nightmare (Philippinen 1977) von Kidlat Tahimik am 18. April um 18:30 werde ich einen kurzen, einführenden Vortrag halten, und es würde mich sehr freuen, euch/Sie alle dazu und zu vielen weiteren Spielterminen begrüßen zu dürfen. Neben uns Programmverantwortlichen werden FilmwissenschaftlerInnen und Kritiker zu vielen der gezeigten Filme sprechen: Kayo Adachi-Raabe zu Oshima Nagisas Gishiki (Japan 1971), Regina Câmara zu Glauber Rochas Barravento (Brasilien 1962), Ekkehard Knörer zu Prinz Chatrichalerm Yukols Theptida Rongraem/Hotel Angel (Thailand 1974), Bert Rebhandl zu Ogawa Shinsukes Sanrisuka: Dainitoride no hitobito/Die Bauern der zweiten Festung (Japan 1971) und Simon Rothöhler zu Lino Brockas Insiang (Philippinen 1976).

Worum es geht, ist dem Programm des Zeughauskinos oder unserer (in Arbeit befindlichen) Homepage http://revolutionenausdemoff.de zu entnehmen. Einen kleinen Vorgeschmack will ich an dieser Stelle aber bereits geben:

"Die anlässlich des 40. Jubiläums von 1968 neuerlich angefachte Diskussion über das gesellschaftliche Vermächtnis der Studentenrevolte belegt die ungeminderte Strahlkraft dieses historischen Datums. Dass sich im vorangegangenen Jahrzehnt und weit bis in die 1970er Jahre in Lateinamerika, Afrika und Asien soziale Bewegungen formierten, die in ihrer revolutionären Vehemenz die Revolten in Paris, Berlin oder Berkeley in den Schatten stellten, fällt leicht aus der eurozentrischen Wahrnehmung jener Ära heraus und ist darob in Vergessenheit geraten.

Diese an den Rand der Wahrnehmbarkeit gedrängten Revolutionen aus dem Off begünstigten die Entstehung eines politisch und bisweilen ästhetisch radikalen Kinos, das alle Register zog: vom generischen Erzählfilm bis zu experimentellen und dokumentarischen Formen, von Agitprop bis zu kritischer Reflexion, von der Besinnung auf einheimische Traditionen bis zur Anverwandlung modernistischer Einflüsse. So wie die sozialen Bewegungen, die es begleitete und mitgestaltete, stand dieses Kino für einen dritten Weg jenseits der konkurrierenden Machtblöcke USA und Sowjetunion, aber auch jenseits von Hollywood auf der einen und des mit der europäischen Linken assoziierten Autorenfilms auf der anderen Seite – für ein „Drittes Kino“, wie es die Filmemacher Octavio Getino und Fernando E. Solanas in ihrem vor genau 40 Jahren veröffentlichten Manifest „Hacia un tercer cine“ tauften.

Die Reihe Revolutionen aus dem Off unternimmt den Versuch, die bemerkenswerte Vielfalt politischer und ästhetischer Entwürfe im Einzugsgebiet des Dritten Kinos auf exemplarische Weise vorzustellen. Das Programm umfasst 34 Filme aus 14 Ländern im Zeitraum von 1955-1977, darunter etliche Raritäten, die in Deutschland nur selten zu sehen waren. Begleitende Einführungen erschließen die historischen und ideengeschichtlichen Hintergründe des Dritten Kinos in seinen zahlreichen Spielarten und fragen nach seinem möglichen Nachleben im gegenwärtigen World Cinema."

In diesem Sinne: Bis demnächst im Zeughauskino!

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