4/03/2009

Wir werden gelacht haben: Die US-Sitcom "How I Met Your Mother"

How I Met Your Mother (USA, seit 2005) ist auf den ersten und zweiten Blick eine recht konventionelle US-Sitcom. Es lohnt sich aber, einen dritten Blick zu riskieren: Das mit der Tagline ("A love story in reverse") bezeichnete Alleinstellungsmerkmal der Serie ist die spielerische Verquerung linearer Zeitlichkeit. Gerahmt und zusammengehalten wird die bislang vier Staffeln übergreifende Handlung vom Offkommentar des Protagonisten Ted, der, so der titelgebende Erzählvorwand, seinen Kindern im Jahr 2030 berichtet, wie er 25 Jahre zuvor ihre Mutter kennengelernt hat. Allein, Ted neigt zur Ab-, Um- und Weitschweifigkeit, weshalb wir über die Identität seiner Zukünftigen solange im Ungewissen bleiben werden, wie unsere fortwährende Neugier die Quote garantiert: Ein schöner Teufelskreis, der den gewitzigen Autoren Craig Thomas und Carter Bays da eingefallen ist.

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Was How I Met Your Mother zudem gegenüber anderen Vertretern des Genres auszeichnet, ist - und dieser Umstand soll hier weder begrüßt noch bekrittelt, sondern schlicht als Faszinosum herausgestellt werden - wie die Lebensentwürfe von Ted und seinen Freunden am saturierten Arbeitsmarkt, an finanziellen Engpässen und anderen ökonomischen Zwängen zerbrechen, ohne dass ihr Scheitern sich jemals als Umweg entpuppte, das allen US-Bürgern konstitutionell zugesicherte Glück am Ende doch noch zu erlangen. Lily, die gerne Künsterlin wäre, muss als Kindergärtnerin arbeiten, und ihr Mann Marshall, ein sanfter Riese mit grüner Gesinnung, verkauft seine Seele an ein ruchloses Bankunternehmen. Man mag dies als resignierte Einübung in Defätismus und Prekarität kritisieren. Mit demselben Recht könnte man der Serie, vielleicht gerade weil sie sich auf den Standpunkt einer imaginierten Zukunft stellt, ein ausgeprägtes Gespür für die Gegenwart nachsagen.

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