10/20/2009

Groteske Apartheid: "Skin"


Skin ist in jeder Hinsicht konsensfähiges Qualitätskino. Als ebenso routiniertes wie vorhersehbares Melodram stellt es die Rührung des Publikums in den Dienst eines erinnerungspolitischen Anliegens. Gedacht werden soll jenen Opfern der Apartheid, für die das Ende des Regimes mit den ersten freien Wahlen im Jahr 1994 „zu spät“ kam; deren persönliches Unglück nicht mit der formellen Freiheit ihrer Nachkommen aufgewogen werden kann. Entlang der Biografie Sandra Laings, die in den 1960er Jahren als schwarze Tochter weißer Eltern zur Welt kam, erinnert Skin an die Geschichte einer privaten Emanzipation vor der gesellschaftlichen, die eben darum scheitern musste.

Die Gegenwart, von der diese Erinnerung ihren Ausgang nimmt, ist zwar nur zu Beginn und in den letzten Minuten des Films in Andeutung zu sehen. Von der letzten Einstellung her, worin ein Strauß bunter Luftballons in den blauen Himmel entschwebt, lässt sich dennoch rekonstruieren, von welcher Warte der Film die Nachgeborenen adressiert. Der Blick zurück erfolgt aus der vermeintlich sicheren Distanz einer versöhnten, multikulturellen Gesellschaft, die mit dem vergangenen Unrecht nicht mehr in Verbindung stehen möchte. Hat es zunächst den Anschein, Skin wolle über Sandras Erfahrung ein geschichtliches Kontinuum etablieren, verliert der Film im aufgeklebten und also klebrigen Epilog leider doch den Mut dazu.

Sam Neill, dem durchgeknallte Charaktere von jeher am besten zu Gesicht stehen, bleibt als Sandras Vater zunächst eher unauffällig, im weiteren Verlauf wird er jedoch einige Gelegenheit zum exaltierten Spiel haben. Ist es doch seine Figur, auf deren Schultern die übermenschliche Aufgabe lastet, dem persönlichen wie institutionalisierten Rassismus das Potenzial zu seiner eigenen Überwindung einzuschreiben: So sehr Sandras Vater als strammer Kolonialherr von der Richtigkeit der Rassentrennungsgesetze überzeugt ist, liebt er seine – schwarze – Tochter. Will Skin uns bedeuten, dass sich hinter der Jahrzehnte währenden paternalistischen Bevormundung der schwarzen Bevölkerungsmehrheit so etwas wie fehl geleitete Liebe verbarg? Natürlich nicht. Zumindest aber zeugt die Aufbietung einer derart schizophrenen Figur, wie Sam Neill sie hier zu verkörpern sucht, von der Schwierigkeit, die Apartheid anders als im Register des Grotesken zu verhandeln. Auch die zahlreichen Funktionäre des beamteten Rassismus – Lehrer, Ärzte, Polizisten, die Sandra das Leben schwer machen – sind schon physiognomisch als Karikaturen einer vergangenen Epoche ausgewiesen, deren Kritik sich erübrigt.

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