10/02/2009

Kurzrezension: "Orphan" und "The Ugly Truth"

Ein arbiträr zusammengestelltes double feature im Cinestar, Arbeitshypothese mainstream binge. Zuerst also in die so genannte "Mystery Sneak", wo sich allwöchentlich Filmbuffs aus Berlin und Umgebung versammeln, um ihr Nerdsein vor, während und nach der Vorführung mit einer solchen Exaltation zur Schau zu stellen, dass es nicht selten zur eigentlichen Attraktion des Abends gerät.

Vor allem wenn so abgegriffene Ware wie Jaume Collet-Serras Orphan (USA, 2009) auf dem Programm steht. Wem Kinder nicht ohnedies unheimlich sind, wird auch das sinistre Mädchen Esther nicht das Fürchten lehren, das in diesem behäbig inszenierten Horrorfilm von einer ganz normalen Mittelschichtsfamilie adoptiert wird und einiges - viel zu langsam eskalierendes - Unheil anrichtet. Jedenfalls die ersten 90 von insgesamt 123 Minuten ergeht sich Collet-Serra in einer eher unverbundenen Aneinanderreihung von Suspense-Klischees, die Spannung weniger evozieren als auf sie verweisen: Erinnerst du dich an dieselbe Einstellung/Kamerafahrt/Szenenfolge aus Rosemary's Baby/The Omen/It's Alive?



Gegen Ende des Films, wenn er allmählich an Fahrt und spannungsdramaturgischer Überzeugungskraft gewinnt, stellt ein surprise ending nicht nur das Narrativ betreffende Annahmen auf den Kopf, sondern interessanterweise auch einige technische Aspekte der Machart vom Kopf auf die Füße: Was vom Publikum in einem Moment als hölzerner Dialog und noch hölzerneres Spiel abgetan und prompt mit lautstarker Häme bedacht wurde, macht im nächsten erzählerischen Sinn. Das ist interessant und soll den zu Selbstüberschätzung neigenden Nerds eine Lehre sein. Ein Grund sich Orphan anzusehen ist es aber nicht.

Danach flugs in Robert Luketics Romcom The Ugly Truth (USA, 2009). Was im viel versprechenden Trailer pointiert und prägnant anmutet, ist es im ausgestalteten Film nicht mehr. Im Rahmen des Genres ungewöhnlich ist aber, dass die Auflösung der diametrischen Gegensätze nicht in Form eines Wortgefechts erfolgt, sondern im entscheidenden Moment auf die physische Dialogizität des Tanzes setzt. Die schöne Wahrheit, für die The Ugly Truth am Schluss eine Lanze bricht, ist, dass Liebe zwar einen Körper, aber keine Gründe braucht.

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