10/14/2009

Sadik Ahmeds "The Last Thakur"


Thakur vertritt als Hindu und Landbesitzer in einer kleinen, mehrheitlich islamischen Dorfgemeinschaft in Bangladesch eine elitäre Minderheit. Der politischen Vaterfigur dieser Gemeinschaft, von den Bewohnern nur „Chairman“ gerufen, ist die Machtkonzentration in Thakurs Händen ein Dorn im Auge. Der Besuch eines Unbekannten in Besitz eines Gewehrs, der sich keiner der beiden Fraktionen zugehörig fühlt, beschwört vergangenes Unrecht herauf und drängt den schwelenden Hass zum Ausbruch.

Nicht nur die erzählerische Anlage von Sadik Ahmeds The Last Thakur weist in Richtung Western, auch die Inszenierung des politischen Konflikts im Zentrum der Erzählung gemahnt an dieses Genre, genauer an seine italienische, dem antiken Drama nahe stehende Beugung: Um den historischen Grund des Konflikts auszuloten, findet der Film mit nur drei überlebensgroßen, bald mythischen Charakteren ein Auskommen, deren schicksalhafte Verstrickung in einem Blutbad enden muss.

In einer interessanten Wendung konterkariert The Last Thakur diese Individualisierung des Politischen und gibt zu erkennen, dass sich dahinter ein komplexes Geflecht sozialer Beziehungen erstreckt. Immer wieder fällt der Film auf die Perspektive eines kleinen Jungen zurück, der die Geschichte aus dem Off kommentiert. Spätestens wenn dieser Junge in seiner Naivität noch den Anstifter eines Lynchmobs als guten Mann bezeichnet, wird deutlich, dass seine Sicht immer schon voreingenommen und kompromittiert war; dass es, was noch schwerer wiegt, schwierig bis unmöglich ist, eine Erzählposition außerhalb des Konflikts zu finden.

The Last Thakur ist eine digitale Augenweide, der Regisseur Sadik Ahmed selbst zeichnet für die High-Definition-Kameraarbeit verantwortlich. Seine hochauflösenden Bilder staffeln die Beziehungen innerhalb der Dorfgemeinschaft in die Tiefe malerischer Räume und artikulieren sie über Schärfenverlagerungen und rasche Schwenks. Ermöglicht wurde der Film von einem neuen Förderprogramm des Verleihers Artifical Eye, der Absolventen der britischen National Film and Television School (NFTS) die Mittel für ihr Langfilmdebüt zur Verfügung stellt.

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