11/20/2009

C'est fini (2). Maurice Pialats "La gueule ouverte"

Wie in Nous ne vieillirons pas ensemble geht es auch in La gueule ouverte um das Ende einer Beziehung als Zäsur – und um das Leben danach, wenn es sich, als alltägliches, wieder eingerenkt hat. Sogar der lakonische Kommentar ist derselbe: „C’est fini." Mit dem entscheidenden Unterschied, dass es in diesem Fall der Tod ist, der ein Familienverhältnis auflöst.

Dass Philippe seine Mutter, sein Vater die Frau verlieren wird, steht bald fest, der Rest des Films vermisst die Zeit des Wartens auf das Unvermeidliche. Wie schon in Passe ton Bac d'abord, der das Warten auf das ebenso sichere Ende der Kindheit zum Gegenstand hat, führt die Vorhersehbarkeit des Zukünftigen auch in La gueule ouverte nicht zur Verengung der Wahrnehmung auf einen teleologischen Tunnelblick, sondern öffnet diese im Gegenteil auf die, wenngleich unverstandene, Fülle des Hier und Jetzt.

Nachdem die Ärzte nichts mehr für sie tun können, wird die Mutter in die elterliche Wohnung verbracht, wo sich Vater, Sohn und dessen Frau versammeln. Steht zunächst der hinfällige Körper der Sterbenden im Mittelpunkt der Erzählung, tritt er zusehends in den Hintergrund, um schließlich, ohne dass dies als prägnanter Moment oder Wendepunkt hervorgehoben würde, ganz zu verblassen. Umso schmerzlicher macht sich ihre Abwesenheit danach bemerkbar.

Am Schluss steht, wie schon in Nous ne vieillirons pas ensemble, der Blick aus einem fahrenden Auto, diesmal jedoch nicht durch die Frontscheibe, auf das, was kommen wird, sondern vom Heck des Fahrzeugs aus: auf das, was wir zurücklassen.

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