11/05/2009

C'est fini? Pialats "Nous ne vieillirons pas ensemble"

Dass Catherine und Jean nicht dazu gemacht sind, miteinander alt zu werden, liegt auf der Hand. Warum es ihnen trotzdem nicht und nicht gelingen will, voneinander loszukommen, ist unklar. Pialat erzählt die Geschichte ihrer perpetuierten On/Off-Beziehung in derart harten Ellipsen, dass manche Szenen erst von ihrem Ende her verständlich werden. Das erschwert eine psychologische oder auf äußerliche Kausalität gerichtete Lesart. In der Unverbundenheit und Zufälligkeit der Begegnungen zwischen Catherine und Jean, die sich nie zu einer kontinuierlichen Entwicklung fügen, grenzt sich Nous ne vieillirons pas ensemble bewusst von jenen großen Beziehungsdialektikern des westeuropäischen Autorenkinos ab – von Ingmar Bergmans Scener ur ett äktenskap bis Jacques Rivettes Amour fou –, denen es im Gefolge der Achtundsechziger um eine kritische Bestandsaufnahme des heterosexuellen Paars zu tun war. Abhängigkeitsverhältnisse finden sich hier und da zwar angedeutet, in manchen Demütigungen, die sich Catherine widerspruchslos gefallen lässt, sogar ausgespielt. Dass sie Jean irgendwann doch den Laufpass gibt, ist aber keine Antwort darauf, kein Akt der Emanzipation, sondern eine kontingente Entscheidung, die auch anders hätte ausfallen können. Statt Liebe und Hass alternieren hier Selbstbezogenheit und Langeweile, vom Versprechen der Amour fou bleibt nur die entleerte Form: On/Off. Neben der elliptischen Erzählweise springt ins Auge, wie Pialat etliche Szenen nach der Erfüllung ihres erzählerischen Auftrags weiterlaufen lässt, in den Alltag seiner Figuren, bis in Momente des Leerlaufs, verlängert. Lange in Erinnerung bleibt eine Subjektive Jeans kurz vor dem Ende des Films, die nicht zeigt, was er sieht, sondern wodurch er – geistesabwesend Löcher in die Luft starrend – hindurchblickt. C’est fini.

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