12/02/2009

Fons Rademakers: "Het mes"


1961, als Fons Rademakers' Het mes in die Kinos kam, hatte sich die Psychoanalyse, zur Küchenpsychologie heruntergekocht, längst in der populären Imagination eingerichtet. Das ist Rademakers drittem, marktschreierisch ödipalem Film überall anzusehen. Der verzogene Thomas hat Schwierigkeiten, sich mit dem neuen Mann seiner Mutter, einem unzuverlässigen Macho, anzufreunden. Thomas selbst steht an der Schwelle zum Erwachsenwerden – in der Logik des Films heißt das immer: zum Mannsein – und verspricht, ein ebenso unangenehmer Chauvinist zu werden wie sein Stiefvater. Etwas in ihm setzt sich dennoch zur Wehr, wie und wogegen, weiß er selbst nicht so recht. Ohne festen Plan entwendet er aus einer Kolonialausstellung in der Missionskirche seines Dorfes ein Ritualmesser, das er fortan als, naja, Phallus bei sich trägt. Man kann natürlich versuchen Het mes in einem anderen Vokabular zu beschreiben; kein anderes drängt sich so auf. Unter dieser Voraussetzung soll das Messer wohl die koloniale Vergangenheit der Niederlande als Chiffre für das Unbewusste, „dieses wahre innere Afrika“ (Freud), evozieren usw.

Oder verhält es sich umgekehrt? Figuriert der kleine Junge, der sich vergeblich der Vätergeneration zu entziehen trachtet, zuletzt als politische Allegorie der heutigen Niederlande (anno 1961), auch und vor allem im Hinblick auf das Erbe des Kolonialismus. Dafür spricht, dass Thomas' verstorbener Vater und der Neue seiner Mutter beide als Offiziere in Niederländisch-Ostindien gedient haben; der eine verklärt aber tot, der andere unerträglich aber lebendig. Vielleicht ist Het mes doch interessanter, als er auf den ersten Blick erscheint. Kein Pardon gibt es indes für den normativen Schluss, der alle offenen Wunden mit Thomas Einfügung in, ähem, das Gesetz des Vaters vernäht.

No comments:

Post a Comment