1/06/2010

"My Beautiful Jinjiimaa" von Ochir Meshbat

Mit welcher Wucht das Melodrama My Beautiful Jinjiimaa am Ende – wenn es nach zwei Jahrzehnten allgemein menschlichen wie spezifisch mongolischen Leids in der Gegenwart angelangt ist – einschlägt, wird nur jene wundern, die für aufrichtige Seifenopern ganz und gar unmusikalisch sind. In den Händen des noch unbekannten Regisseurs Ochir Meshbat (bis dato 0 Google-Treffer) fügen sich die niedrigen production values des Films zu einer nicht besonders originellen, dafür umso stimmigeren Komposition in C-Moll. Abrupte Zooms auf in innerlicher Aufwühlung erstarrte Charaktere paaren sich im Fernsehformat (4:3) mit über- und überüberblendeten Erinnerungsbildern, während Gegenstände (ein Ring, ein Bildnis des Buddha, ein Teddybär) zu Signifikanten eines Glücks anwachsen, das in immer rascherer Folge und mit immer größerem Einsatz verloren und wiedergefunden wird. Was man in Anbetracht so bescheidener Mittel zu übersehen geneigt ist, weshalb es dem einen oder der anderen zuletzt wie Schuppen von den Augen fallen wird, ist die epische Qualität dieser so klein sich gebenden Geschichte.

Die DVD-Edition bei Cinema Epoch macht keinen Hehl daraus, dass sie auf westliche Kundschaft schielt, der über den Umweg der Untertitelung nicht nur der manifeste Dialog, sondern auch die eine oder andere zusätzliche Erläuterung unterbreitet wird. Wer es darauf anlegt, kann My Beautiful Jinjiimaa vermutlich Einblicke in fremdartige Milieus und Lebensweisen abtrotzen, des Exotismus macht sich der Film indes nicht wirklich verdächtig. Denn dass die vergangene Welt nomadischer Viehbauern darin auf jene (postkommunistische) des heutigen Ulan Bator trifft, hat nichts mit reizvollen Sujets und alles mit erzähllogisch und zeitgeschichtlich triftigen Gründen zu tun. Obwohl die Mär um die Titelheldin Jinjiimaa und ihren unglücklichen Geliebten fest mit den historischen Wechselfällen der Mongolei vertäut ist, ja als Emanzipationsstory sogar leise politische Ansprüche stellt, hat die Figurenkonstellation, als gleichsam zeitloser Seifenopernantrieb, eine entschieden mythische Schlagseite. Wenn ich nur wüsste, wer dieser Ochir Meshbat ist... (Hinweise erbeten)

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